Wir sind hier bei twentynineinches (kurz: TNI) echte 29er Fans und haben dementsprechend viele Erfahrungen mit den grossen Rädern gesammelt, können aber auch auf eine lange Geschichte mit MTBs jeder Art zurückgreifen und lieben einfach den Bikesport. Auch wenn jeder von uns von den Vorteilen der 29er für sich überzeugt ist, versuchen wir keineswegs voreingenommen zu sein.
Daher bemühen wir uns in den folgenden Abschnitten dem interessierten Leser in paar Einblicke in die Welt der 29er zu geben.

Vorab aber noch etwas wichtiges: Diese Page wächst mit euren Meinungen und Erfahrungen, daher zögert nicht uns eure Meinungen und Erfahrungen zu schreiben. Einfach im Kontaktformular oder unter c_g@twentynineinches.com

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HIER DIE THEMEN:

 A, Eine kleine 29er Historie

B, Was bringen die größeren Reifen dem Fahrer wirklich?                

1, Große Reifen rollen leichter über Unebenheiten!
2, Große Reifen bringen mehr Traktion!
3, Große Laufräder bringen Fahrstabilität!

C, Sind 29er also die bessere Wahl für alle Biker?

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A, Eine kleine 29er Historie 

Bill Shook von AMERICAN CLASSIC präsentiert seine neuesten 29er Laufräder aud dem Eurobike Demo Day´11.

Der WTB 29er Nanoraptor - eine Meilenstein der 29er Geschichte.

Es gibt derzeit eine Menge Propaganda rund um dieses Thema 29er und die Magazine überschlagen sich förmlich mit den Vorteilen über das Neue Format. Dabei ist es gar nicht so neu. Das Format (Reifen: ETRTO 622 mm oder auch oft 700c genannt) exisitiert bereits seit Jahrzehnten, meist vorzufinden bei  Trekkingrädern, aber auch an Straßen und Rennrädern – lediglich die ernsthafte Anwendung im Bereich MTB ist jünger.
1999, war es als ein paar MTB Enthusiasten die Mark Slate (einem der Gründer von WILDERNESS TRAIL BIKESwww.wtb.eu) überzeugt haben, einen echten MTB Reifen in diesem Format zu produzieren – der WTB Nanoraptor wurde damit der erste echte „29er“ MTB Reifen.
Von da ab begann ein beispielsloser Siegeszug der 29er Bikes – zuerst in den USA, wo es bereits vor 5-6 Jahren wirklich losging und dann nach zwei wenig erfolgreichen Anläufen nun auch hier bei uns in Europa.
Dabei ging die Entwicklung von vornherein immer von den Fahrern aus, und nie von der Industrie, die den Trend und das neue Format immer etwas argwöhnisch betrachtet haben. Heute behauptet zwar jeder, den Trend von vorn herein mitgetragen zu haben, aber in Wirklichkeit haben die allermeisten Marken abgewartet, bis die Rufe der Fahrer (allen voran Racern und Profis) nach  29er-Bikes zu groß wurden, um einfach ignoriert zu werden.
Den echten Durchbruch hat das 29er Format erst mit der Eurobike 2011 hier in Europa gefeiert.
Nebenbei: Die Bezeichnung 29er (für 29 Zoll) bezieht sich dabei auf den theoretischen Außendurchmesser eines Reifen mit 2,0“ Breite (eben der WTB Nanoraptor) – und nicht, wie bei den 26-Zöllern auf den Felgendurchmesser – der Größenunterschied ist also nicht wirklich 3 Zoll oder 7,5 cm, sondern etwas geringer. Den Namen „29er“ hat Wes Wiliams von Willits Cycles (www.willitsbikes.com) geprägt.

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B, Was bringen die größeren Reifen dem Fahrer wirklich?

Eigentlich ist es simple Physik, die hier spielt und weniger Marketing oder Hype. Durch den größeren Durchmesser werden Hindernisse leichter überfahren, der Reifen hat eine bessere Traktion, und die Fahrstabilität steigt.

-> Das empfinden die allermeisten Fahrer als ein klares Plus an Komfort und Sicherheit,

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1, Große Reifen rollen leichter über Unebenheiten!

Der größere Radius bringt ein merklich leichteres Überrollen von Hindernissen.

Werden die Proportionen von Unebenheiten zu Reifengröße geändert, der Angriffswinkel (das ist der Winkel, mit dem die Felge auf ein Hindernis beliebiger Größe trifft) (hier vielleicht eine kleine Grafik) wird kleiner und in selbst Schlaglöcher oder Wurzelzwischenräumen sinkt der Reifen weniger tief ein. Alles in allem muss das Bike beim Überfahren von Hindernissen weniger vertikal bewegt werden und es wirken weniger bremsende Kräfte – man kann also schneller fahren und ist weniger ermüdet. (bike hatte doch mal einen Test bei dem auch bergauf ein etwa 4% geringerer Krafrtaufwand herauskam, glaube ich mich zu erinnern.)
Ein weiterer positiver Nebeneffekt des größeren Durchmessers und der speziellen 29er Geometrien mit denen man mehr IN als AUF dem Bike sitzt, ist, dass Überschlagsgefühle beim Befahren von Stufen und kleineren Drops erst sehr viel später aufkommen. Die Tretlagerachse liegt tiefer wie die Nabenachsen, bei gleichem Abstand des Tretlagers vom Boden.  Daher fühlen sich gerade technisch weniger versierte Fahrer im Gelände sicherer. Anders formuliert, kann ein guter Fahrer mit einem 29er in schwierigeres Gelände vordringen, bzw. man kann sich mit weniger Federweg begnügen, da die größeren Laufräder diesen zumindest teilweise ausgleichen.

Positive Auswirkung:

- Dem Fahrer merkt Hindernisse weniger und überrollt sie leichter.
- Man überrollt ruppige Abschnitte leichter und oft mit mehr Speed.
- Die größeren Laufräder zumindest einen Teil des Federweg wett.
- Subjektiv fühlt man sich auf dem 29er sicherer und traut sich mehr.

Negative Auswirkungen:

- Insgesamt wiegen die 29er Laufräder und Reifen zwischen 200 und 400 g mehr
- mitunter haben die 29er Laufräder eine etwas geringere Seitensteifigkeit, die im Fahrbetrieb aber fast nicht zu spüren ist.

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2, Größere Reifen bringen mehr Traktion!

Vergleich der Reifenkontaktfläche zwischen einem 26 x 2,0 (links), einem 26 x 2,2 (Mitte) und 29 x 2,0 (rechts) (mit freundlicher Erlaubnis von VREDESTEIN)

Auch hier spielt einfache Physik eine Rolle, nämlich die Eigenschaft von elastischen Bauteilen (luftgefüllter Reifen) die sich unter Last ein wenig plattdrücken. Bei jedem Reifen entsteht so ein etwa Kontaktbereich zwischen dem Reifen und dem (ebenen) Untergrund. Die Form und Größe dieser Kontaktfläche bestimmt den Grip eines Reifens – ganz allgemeingültig. Schon vor Jahren hat man erkannt, dass man bei geringeren Drücken und breiteren Reifen, mehr Traktion (und Komfort) erhält, ohne den Rollwiderstand signifikant nach oben zu treiben.
Durch den größeren Reifendurchmesser der 29er, dehnt sich diese beim 26-Zöller etwa elliptische Kontaktfläche in der Länge und nimmt in der Gesamtfläche um ca. 20% zu – mit der Folge, dass die Traktion beim Antrieb und Bremsen spürbar zunimmt. In zahllosen Gesprächen mit Fahrern und aus eigenen Erfahrungen kann ich persönlich bestätigen, dass vor allem schottrige und lose Anstiege mit einem 29er auffällig einfacher zu bewältigen sind.

In Kombination mit dem subjektiv sichereren Fahrverhalten der 29er fühlt man sich auch auf steileren Abfahrten um einiges sicherer.

Positive Auswirkung:

- Die 29er Reifen bringen eine höhere Antriebs- und Bremstraktion.
- Steile Anstiege und Abfahrten sind damit einfacher uns sicherer zu bewältigen.

Negative Auswirkungen:
-       (bisher keine bekannt)

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3, Große Laufräder bringen Fahrstabilität!

Wegen des größeren Durchmessers und der leicht höheren Masse (unvermeidlich durch die etwas größeren Felgen und Reifen) stabilisiert sich das Rad bei höheren Geschwindigkeiten stärker. Damit kann ein 29er (wenn die Geometrie stimmt), bei langsamen Geschwindigkeiten agil und spritzig sein, bei hohen Geschwindigkeiten aber eine ungemeine Laufruhe vermitteln. Dies gilt sowohl bei Highspeed-Abfahrten auf Forstraßen, wie auch in technischem Gelände.
Außerdem lassen sich die 29er durch die oben genannten besseren Überrolleigenschaften weniger leicht aus der Ruhe bringen und verhalten sich gutmütiger in fast allen Lagen.

Positive Auswirkung:

- Viele Fahrer profitieren von der Selbststabilisierung der Laufräder bei höheren Geschwindigkeiten und fühlen sich viel sicherer beim Biken.

 Negative Auswirkungen:

- Für manche sehr technisch orientierte Fahrer (vor allem mit BMX-Hintergrund) fehlt es den 29ern an Agilität und Verspieltheit, was zwar durch dementsprechende Geometrien gemindert, aber nie ganz ausgeglichen werden kann.
- Durch den großen Durchmesser und das meist etwas höhere Gewicht muss man zum  Beschleunigen tw. mehr Kraft aufwenden. Bei XC-Kursen mit vielen Tempowechseln kann das ein Nachteil sein, für die meisten Bedignungen (Touremeinsatz, Marathon, …) wird der Effekt aber sogar positiv bewertet.

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C, Sind 29er also die bessere Wahl für alle Biker?

Wir sind der Überzeugung dass die eben angeführten Eigenschaften der 29er insgesamt einen Vorteil für viele Mountainbiker bringen.

-       Gerade für die Fraktion der Hardtailfahrer bringen 29er für jeden spürbare Vorteile. Nicht umsonst sind inzwischen viele Marathonfahrer in den Staaten ausnahmslos auf den grossen Rädern unterwegs.

-Auch Singlespeeder fahren inzwischen überwiegend 29er, trotz der vermeintlichen Probleme mit der Beschleunigung. Da dort viele Fahrer Starrbikes oder nur Front-Federung fahren, zählen hierbei vor allem das bessere Überrolverhalten und die Traktion der 29er.
-       Auch für den Allmountain-Bereich spricht kaum etwas gegen 29er. Bei Federwegen bis 120mm (zu Vergleichen mit 26er mit 140mm) spielen die 29er auf Touren und in den Bergen gerade in technisch anspruchsvollen Abschnitten ihre Vorteile aus und geben dem Fahrer Sicherheit und sparen Kraft.

Für das Gros der Mountainbiker trifft das nach unserer Überzeugung wirklich zu – 29er habe mehr Vorteile wie Nachteile.

… aber es gibt auch Ausnahmen welche mit dem 29er Format evtl. nicht optimal bedient sind:

-       Bei kleineren Fahrern kann es schwierig werden die perfekte Sitzposition zu finden. Zudem empfinden manche Fahrer dann auch die Proportionen zum Bike nicht mehr als stimmig. Hier stehen immer noch die klassischen 26-Zöller oder, so wie es derzeit aussieht, bald auch der 27,5-Zoll Mittelweg zur Auswahl)
-       Bei Federwegen jenseits von 140 mm sieht man derzeit bei 29ern noch die konstruktive Grenze für 29er, wenn man das Rad kompakt und den Radstand kurz halten will. Aber man darf gespannt sein. Auch hier scheint sich das 27,5 Format langsam als Alternative zu etablieren.
-       Manche Fahrer die eine sehr aktive und technisch versierte Fahrweise haben (z.B. solche mit BMX-Hintergrund) empfinden je nach Gelände 29er als zu träge oder dominant gegenüber ihrer Fahrweise. Während dieses Argument bei den Old-School 29er noch oft angebracht und durchaus berechtigt war, stehen heute viele 29er ihren 26-Zölligen Brüdern in Sachen Agilität kaum mehr nach.

–> Das Wichtigste aber ist, dass man es einfach mal (ohne Vorurteile) ausprobiert. Das Händlernetz mit 29ern, die man eben auch mal ausprobieren kann ist mittlerweile recht gut und wer die Gelegenheit hat sich auf einem der größeren Bike Events (BIKE Festival in Garda oder Willingen, Eurobike Demo Day, … )umzutun bekommt dort ausrechend Gelegenheit, sich die Sache mal selber anzuschauen.

… und letztlich geht es ja bei allem darum Spaß und Sport auf dem Bike zu erleben – unabhängig vom Bikeformat!!