CONTINENTAL Mountain King Protection II 2.2″ (und 2.4″) Testfazit: von Oli

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Der CONTINENTAL Mountain King II in der Protection Variante

Als regelmäßiger Leser wisst ihr um den letzten Zwischenstand zum CONTINENTAL 2.2 Protection – ein Reifen, der zwar auffällig schmal ausfällt, mich sonst aber mit weitgehend positiven Praxiseindrücken erfreut hat. Zwischenzeitlich hat mir c_g zum direkten vergleich noch den gleichen Reifen in 2.4 zum Test übergeben und so bin ich in der letzten Testpahse beide Reifen gefahren.

Ich muss zugeben: Schon lange hat mich kein Reifen mehr so sehr verwirrt, wie der 2.4er des Mountain King. Während ich von dem 2.2er wirklich angetan war und es immer noch bin, so hat mir der 2.4er erst einmal massives Kopfzerbrechen bereitet. Conti selber stuft den 2,4er Mountain King im AM, den 2.2er mehr im XC Bereich ein. Ich habe ihn deshalb auf mein NINER WFO (hier im Test) montiert und wollte damit meine ersten Frühlingsfahrten auf meinen Hometrails unternehmen. Der Winter ist vorüber und das WFO will auch wieder artgerecht bewegt werden … und nicht nur im Wohnzimmer stehen.

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Der direkte Vergleich: Links der 2.4er, rechts der 2.2er CONTI MKII.

Vor der Montage bestätigt mir der Blick auf die Waage erst einmal die Angaben des Herstellers: Mit 826 g und 832 g liegt der 2.4er in der Protection Variante knapp unter den angegebenen 845 g. Er lässt sich auch leichter montieren als sein kleiner Bruder, ist aber auch robuster anzufassen, die Karkasse ist stabiler. Kurz dachte ich, ich habe einen Drahtreifen in der Hand. Vor der Demontage des auf dem WFO montierten Kenda Nevegal habe ich seine Breite auf der American Classic All Mountain Felge (Innenweite 24mm) noch gemessen: 57mm. Umso erstaunter war ich, dass der 2.4er Mountain King auf 56,2 mm kommt, denn der Kenda ist ein 2,2er. Aber eigentlich muss das nicht irritieren, ist der 2.2er schon sehr schmalbrüstig. Scheinbar fällt auch der 2.4er etwas schmal aus.

Wenn man nun die beiden Reifen vergleicht, so wirkt der 2,4er (links im Bild) eben erst mal einfach wie der große Bruder.

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Schaut man sich aber die beiden Profile genauer an, so sieht man, dass das Profil nicht nur in der Breite sondern auch in der Länge auseinander gezogen ist – und zwar deutlich:

Bei der ersten Ausfahrt habe ich den 2.4er genau wie den 2.2er auf ca. 1,7 bar aufgepumpt und bin die üblichen 20 min. auf der Straße zu den Isartrails geradelt … und erschrocken. Erst einmal zeigte er einen deutlich höheren Rollwiderstand als der 2.2er. Hinzu kam noch etwas anderes: Wer schon mal einen Steuersatz zu fest angezogen hat kennt das Gefühl eines sich schwer lenkenden Vorderades. Wer Fatbike fährt kennt eventuell auch den Self-Steering-Effekt mancher Reifen. Und hier war das genau so: Das Rad wollte geradeaus laufen und ließ sich nur schwer um die Kurve lenken. An freihändig fahren war so kaum zu denken – und das lag diesmal definitiv nicht am Steuersatz. Bei Einstieg in die Trails war es genauso: Sobald der Unterboden fest gefahren war, setzte der Self-Steering-Effekt sofort wieder ein. Ging es aber über losen Waldboden, so war er in seinem Element.

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Der MKII in der 2.4er Version zeigt sich nicht ganz so gutmütig und allroundfähig, wie sein schmaler Bruder.

Schwierig wurde es dann immer wieder, wenn es über leicht feuchte Stufen oder Wurzeln ging. Hier zeigt sich für mich persönlich ein Nachteil des Black Chili Compounds. Die harten Stollen greifen super in weichen Boden, rutschen aber auch leichter über nasse Wurzeln oder rutschige Steine. Die Entwicklung eines Reifenprofils ist immer ein Versuch eines Kompromisses, aber während ich den 2,2er gemocht habe, so sind der 2,4er und ich einfach keine Freunde geworden. Damit keiner sagen kann, dass ich es nicht immer wieder versucht hätte, habe ich den 2.4er noch einmal auf das Hardtail aufgezogen und bin damit auch noch ein paar Runden gefahren.

Zunächst einmal machte sich die geringe Breite auch hier wieder bemerkbar. Weil in meinen Prototypen des VPACE T1LT ohnehin kein echter 2,4er passt war die geringe tatsächliche Breite hier sogar gut. Ich habe auch versuchsweise mit dem Luftdruck gespielt von für mich üblichen 1,7 bar bis 2,7 bar habe ich versucht, in der Hoffnung, dass das den Self-Steering Effekt kurieren würde. Es ist zwar etwas weniger geworden, aber bei weitem nicht gut. Und der Rollwiderstand ist bei jedem Druck ungewöhnlich hoch.

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Die Stollen des MKII stehen in der 2.4er Variante deutlich weiter auseinander – was der Selbstreinigung hilft, aber auch den Rollwiderstand und das Lenkverhalten verschlechtert.

Meine Theorie auf der Suche nach einer Erklärung hierfür ist, dass der Abstand zwischen den Noppenpaaren in der Mitte einfach zu groß ist und dadurch ein leichtes Abrollen verhindert wird und den Self-Steering-Effekt provoziert. Ich will den 2.4er aber nicht zu schlecht machen. Er hat auch seine Qualitäten: Richtig gut ist er, wenn man Last auf dem Reifen in weichem Boden bringt. Und die Noppenreihe am Rand sitzt vergleichsweise eng und ist durch die griffige Gummimischung super in Kurven. Die Noppen neigen nicht zum Wegkippen. Der Kurvenhalt ist top. Ein guter Aspekt trat auch am letzten Wochenende zutage: Die Selbstreinigung ist ausgesprochen gut.

Nochmal zur Erinnerung: Den Mountain King 2.2er finde ich bis auf die geringe Breite wirklich gut-. Wie schon beschrieben, finde ich ihn so gut, dass ich ihn auch für das FOUR PEAKS Rennen im vergangenen Sommer und auch für spätere Touren eingesetzt habe. Ich kann ihn auch ohne Einschränkung als Allroundreifen für ein traillastiges XC Rennen empfehlen und ich kann mich auch an mein unglaubliches Hochgefühl erinnern, als es damals während des Rennens den Wildkogeltrail runter ging. Das hat einen Heidenspaß gemacht und ich habe mich keine Sekunde unsicher gefühlt. Einziger Wehrmutstropfen: nach den Renntagen musste ich feststellen, dass das Hinterrad vier der außenliegenden Stollen verloren hatte.

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Mit dem CONTI MKII in 2,2″ auf Alpentour – ein für mich absolut gutmütiger, schneller und universeller Allround- und Tourenreifen.

Testfazit: Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich den CONTINENTAL Mountain KING II in der 2.2er Breite für einen wirklich guten XC Allroundreifen halte, der durch sein geringes Gewicht, den guten Grip und den gefühlt geringen Rollwiderstand sich einen Platz bei meinen Lieblingsreifen geholt hat, auch wenn er sich nicht gerade leicht montieren lässt und recht schmal baut. Das Problem mit den abgebrochenen Stollen kann eine einmalige Sache sein, weshalb ich das gerade auf längere Sicht noch einmal mit einem zweiten Satz testen will.
Mit dem gleichen Reifen in der 2.4er Breite bin ich dagegen leider nicht wirklich warm geworden. Der hohe Rollwiderstand und der Selfsteering-Effekt waren für mich so dominant, dass für mich die guten Erfahrungen auf weichen Böden und der hohe Selbsreinigungseffekt nicht mehr aufwiegen konnten.
Ich glaube aber, dass der 2.4er jedoch mit einem ähnlich eng sitzenden Profil wie der 2.er ein Knaller wäre …

OLI