VAUDE Virt Softshellhose – Testfazit: von Oli

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Der Winter ist nun da. Zwar noch nicht arktisch -  wie teilweise in den USA – und auch noch nicht überall, aber er macht sich zumindest mit nächtlichen mit Temperaturen um den Nullpunkt bemerkbar. Und zwischenzeitlich hatte ich die Chance, die VAUDE Virt Hose, wie ich sie hier vor ein paar Wochen vorgestellt habe, ausgiebig zu testen. Sie hat nun auch schon einige Wäschen hinter sich und sieht immer noch aus wie neu.

Ich habe anfangs viel herumexperimentiert, wie ich die Virt am besten tragen möchte – die Kombi aus Baggy oben und Tightoptik unten lässt viel Spielraum für Interpretation. Im Intro hatte ich ja beschrieben, dass die das Maaterial der Hose innen stark aufgerauht ist, einmal wohl wegen der Wärmeleistung und anderseits bestimmt auch für ein angenehmeres Tragegefühl auf der Haut. Als BIkehose ist klar: Man wird die Virt – bei fehlendem Polster – zumindest oben, nur in Ausnahmefällen einfach so auf der Haut tragen. Ich habe es mit kurzer und mit knielangen Bikehosen drunter probiert und für mich herausgefunden, dass es mit der knielangen besser funktioniert. Mit der kurzen Bikehose bin ich das Gefühl nicht losgeworden, dass sich das Softshell-Material um die Knie schnell etwas schwitzig auf der Haut anfühlt – kein Drama, aber mit einer dünnen Baselayer dazwischen ist´s halt doch angenehmer. Andererseits würde man seine Softshelljacke ja auch nicht unbedingt auf der nackten Haut oder nur mit kurzem Shirt tragen, sondern eben auch mit was drunter.

002Beinlinge braucht man mit der Virt jedenfalls nicht. Der im Waden- und Schienbein verbaute dehnbare Stoff im Kniebereich und an den Unterschenkeln ist erstaunlich warm! Mir war auch auf längeren Touren nie nach Beinlingen. Ich habe sie als Notfallausrüstung zwar mehrfach im Rucksack dabei gehabt, aber weil immer ungenutzt, sind sie schlussendlich doch einfach zu Hause geblieben.
Sehr angenehm finde ich den leicht dehnbaren Softshell-Stoff im Oberschenkelbereich. Wie im Intro angesprochen hatte ich zum Testen die Hose in XL (bei 1.88 Körpergröße), die ist jedoch hier so schmal geschnitten ist, dass ach bei meinen schlanken Beinen beim Treten nicht großartig verrutscht ist. Ein Nebeneffekt der mich bei manchen Hosen, besonders bei Regenhosen im Winter gewaltig genervt hat – allein schon wegen des Raschelns.

Anmerkung: C_g hatte die Hose auch kurz angezogen; er kam aber mit den schmalen Oberschenkeln gar nicht zurecht. Fahrer mit „strammen Beinen“ sollten also unbedingt probieren oder gleich eine Größe größer bestellen.

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Die beiden aufgeprägten (grauen) Streifen, den ich anfangs im Intro noch als grafisches Muster betitelt hatte, hat sich beim ersten Blitzfoto als Reflektorstreifen herausgestellt, die bei Gegenlicht deutlich zu erkennen sind. Ein Detail, der bei den Fahrten zu und vom Trail auf der Straße sicher nicht zu unterschätzen ist, wird es doch im Winter immer zu früh schon dunkel. Womit ich leider nicht so recht klar kam, war die zu kleine Hosentasche auf einer Seite, in die gerade mal ein Schlüsselbund und ein Tempo passen. Hier sollte VAUDE bei einer Neuauflage nachrüsten.  Der Bund war leider bei mir nicht ganz verrutschsicher zu schließen. Das Verschlussprinzip basiert auf einem sehr elastischen  Gummizug, der im Hüftbereich zwei Mal durchgezogen und dann rechts und links an der Hüfte mit einem starkem Klett verschlossen wird. Dieser breite Gummizug ist zwar angenehm weich und fühlt sich nicht wie ein Gürtel an, ist aber wiederum auch so elastisch, dass die Hose gelegentlich nach unten wanderte. Das kann besonders unangenehm werden, wenn der Po bei einer steilen Abfahrt hinter den Sattel rutscht und man sich dann wieder nach vorne auf den Sattel bewegen möchte.  004Nicht ganz optimal fand ich auch die vorne quer von der Seitennaht in den Schritt führt. Wenn man hinter den Sattel geht und die Beine aufspreizt, spannt sie sich und sorgt leicht dafür, dass man Hängen bleibt wenn man schnell wieder nach vorne geht.

Beim Pedallieren war die VAUD Virt dafür super. Es rutscht nichts auf dem Knie und es klemmt nichts in der Kniekehle. Hier macht sich die sehr gute Schnittführung bezahlt: Vorne fällt ja die „Oberhose“ übers Knie und hinten ist ja das Wadenteil bis über die Kniekehle verlängert. Was ich anfangs optisch als nicht gelungen empfand, hat sich als äußerst funktional erwiesen.

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Auch der Wetterschutz der VAUDE Virt ist sehr gut. Richtig nass ist mein Po damit nie geworden – auch nach mehreren Schlammdurchfahrten und Stunden im Sattel nicht. Während meine Frau mit dem selben Bike auf der identischen Strecke später darüber klagte, bis auf die Haut nass geworden zu sein, so ist noch nicht einmal meine Bikehose feucht geworden, die ich darunter getragen habe. Auch wenn das Softshellmaterial nicht wasserdicht ist, so vermag es doch Spritzwasser und Schlammbeschuß prima abzuwehren.

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Dreckig wird sie natürlich trotzdem – wie man sieht – und sie muss immer wieder mal gewaschen werden. Hier sollte man aufpassen, dass man sie getrennt oder in einem separaten Beutel wäscht. Nicht wegen der Farbe, die war auch nach mehreren Wäschen noch leuchtend. Vielmehr ist der Klettverschluss im Bund so kräftig, dass er im Schleudergang empfindlichen Stoff anderer Kleidungsstücke in der Trommel angreift.

Wie es sich für eine gute Winter-Bikehose gehört – die VAUDE Virt hält gut warm, ohne zu warm zu sein. Ich bin sie nun mehrfach bei Temperaturen von knapp unter zehn Grad (Herbst) bis knapp unter den Gefrierpunkt gefahren (viel kälter ist es diesen „Winter“ noch nicht geworden ;-)) und habe nicht ein einziges Mal gefroren.  Wenn es mal zu warm wurde habe ich die Lüftungschlitze auf den Oberschenkeln geöffnet und die effektive Kühlung am Oberschenkel genossen.

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Fazit: Die Virt ist eine höchst funktionale und gut durchdachte Hose für den Biker von Spätherbst über den Winter bis in den Frühling. Der tolle Materialmix und Hybridschnitt aus eng anliegend unten und Baggy-Style oben macht die Hose nicht nur optisch ansprechend. Auch die Funktion stimmt. Das Material besitzt eine gute Atmungsaktivität und dennoch tollen Wind- und Wetterschutz. Sollte es doch inemal zu warm werden helfen die Belüftungsreißverschlüsse an den Oberschenkeln. Der Schnitt ist auf der schmalen Seite – war für mich aber ideal. Der Bund ist gut verstellbar, die Gummizüge hierfür könnten aber für meinen Geschmack etwas straffer sein.  Die zu kleine einzige Hosentasche ist kaum nutzbar, was aber zu verschmerzen ist, da man im Winter meist ohnehin mit Rucksack unterwegs ist. An die auffallende Optik muss man sich erst mal gewöhnen. Sobald man aber einige Tage mit ihr unterwegs war, tut man sich schwer, wieder auf schwarze Winterhosen umzusteigen.
Insgesamt leistet sich die VAUDE Virt nur wenige Schwächen besitz aber sehr viele echte Stärken. Sie bekommt deswegen von mir das Prädikat „Empfehlenswert“.

Oli