SURLY Krampus – Testabschluss: von martinoo und c_g

 Und wieder neigt sich ein Bike-Test dem Ende zu. Das SURLY Krampus hat uns über die letzten 4 Wochen ständig begleitet … und nebenebei bemerkt – viel Freude gemacht. Mit seinem superbreiten 3“ Knard-Reifen und 50 mm Rabbit Hole Felgen im 29er Format ist das Krampus das erste Bike einer neuen Kategorie von 29ern, die SURLY treffend mit „29+“ betitelt.
In unseren ersten Fahreindrücken (hier) konnten wir bereits feststellen, wie das Krampus wirklich mehr von einem 29er als von einem Fatbike hat, wie es sich sehr gutmütig fährt und viel Float aus den breiten Pneus holt. Es ist ein schweres Bike mit schweren Reifen, wovon man aber außer in der Beschleunigung nur wenig spürt. Besonders erwähnenswert war wie die Reifen kleinere und mittlere Schläge wegdämpfen, bei größeren aber doch eine aktive Fahrweise einfordern – trotz der superbreiten Reifen eben doch ein Starrbike.

Toll auch wie die große Kontaktfläche bei dem flachen Profil einen so guten Grip bringen.

Mittlerweile hatten wir auch die Gelegenheit, das Krampus in nassen und schlammigen Verhältnissen zu fahren. Auch hier zeigte das Krampus sich von der gutmütigen Seite und ausgesprochen traktionsstark. Wo die Gummimischung evtl. etwas zu wenig Grip bietet, hilft die sehr große Kontaktfläche weiter. Solange irgendwas da war um sich mit dem quadratischen Stollen zu verhaken, blieb das Bike gut kontrollierbar. Nur in schmierig-schlammigem Untergrund fanden die Knard wenig Halt, weil sie erwartungsgemäß „aufschwammen“.

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Ein anderer Blickwinkel, der uns auch brennend interessierte, war wie sich das Krampus als echter 29er fahren würde. Also schnell die im Test befindlichen ACROS Laufräder montiert und ab ging´s:
Zu unser aller Freude blieb das Krampus auch hier wunderbar neutral zu fahren … ein wenig agiler, aber immer noch sehr angenehm. Für feinfühlige Fahrer war zu spüren, wie die Front  minimal agiler agierte, als das Heck, aber nichts, was man nicht bei vielen „normalen“ 29ern nicht auch finden würde. Wirhaben es mit verschiedenen Kettenstrebenlängen gefahren und der Effekt ist in der kürzesten Position kaum mehr vorhanden.

Überraschend war dass das Krampus auch mit den dünnen Reifen keineswegs deplatziert wirkte. Weiterhin ein schmuckes Bike ohne echte Auffälligkeiten.

–> In den Ausfahrten mit echten 29er Laufrädern konnten wir keine echten Defizite feststellen und so hat sich für uns der Kreis wunderbar geschlossen – das SURLY Krampus ein echtes 29+ Bike (und kein Fatbike Spezialist).

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Natürlich haben wir auch die Gegenprobe gemacht und das Knard/Rabbit Hole VR auf ein klassisches 29er montiert – unser BERGAMONT Revox nämlich (den Versuch eines 29+-HR einzubauen habe wir schnell begraben ;-)).
Hierzu musste die SYNCROS Carbon Starrgabel herhalten denn in eine existierende Federgabel war die Kombination nicht unterzubringen. Das Resultat war ein Hybrid-Starrbike mit voll performancetauglichen 10,5 kg (mit dem 29+ Laufrad kamen gut 1100 g gegenüber den normalen Laufrädern dazu).

Das Ergebnis, war ein doch leicht gewöhnungsbedürftiges Handling und irgendwie war von der geringeren Gesamtmasse recht wenig zu spüren. Alles in allem fanden wir die Kombination nicht ganz so prickelnd wie erhofft. Nett, aber ohne den erwarteten Aha-Effekt.
Die Kombi bestand aus zu vielen Änderungen an einem gewohnten Bike um zu sagen woran es genau lag,  wahrscheinlich die unausgeglicheheit des BERGAMONT durch die plötzlich fast träge Front und das kurze, spritzige Heck.  Ohne hier genaueres sagen zu können, würden wir – wider Erwarten – doch eher an der klassischen Hardtailkonfiguration festhalten. Mit einem anderen Rahmen wäre das Ergebnis vielleicht anders ausgefallen. Nach diesem Versuch fanden wir uns aber  immer wieder dabei zu träumen wie sich das Revox wohl fahren würde, wenn man den Knard tubeless (etwa auf einer VELOCITY P35) fahren würde – in Ermangelung von geeignetem Testmaterial bleibe es allerdings vorerst bei den Träumen.

(Wenn einer von euch mit solchen Experimenten zu anderen Ergebnissen kommt, könnt ihr uns gerne dazu schreiben :-))

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Zum Abschluss des Tests, haben wir unserem Tester martinoo das SURLY Krampus noch für ein paar Tage mitgegeben damit er seine bisherigen Eindrücke noch aus der Perspektive eines Starrbike-Singelspeed-Fanatikers vertiefen kann – hier seine  Eindrücke:

„Ganz schön viel Reifen vor dem Lenker – nicht nur in der Breite sondern auch nach vorne. Hoffentlich fährt das Krampus sich nicht so wie die anderen Fatbikes auf denen ich gesessen bin.
Der erster Kontakt: Der Rahmen ist etwas klein und daher fällt die Sitzposition recht kompakt aber nicht unangenehm aus. Erste Überraschung: Unterstützt durch den breiten Lenker wirkt das Krampus recht agil.
Erste Ausfahrt (schmale Trails, viele Wurzeln, rauf und runter): Den passenden Gang ausgesucht und dann versuchen nicht mehr zu schalten (… geht das mit diesem Rad überhaupt?). Überraschung Nr. 2: Das Rad lässt sich eigentlich ganz gut beschleunigen, zwar etwas träger als mein gewohntes NINER SIR9 aber nicht unangenehm.
Wie beim ersten Kontakt bereits angedeutet das Rad fühlt sich agil an – überhaupt nicht träge. Selbst nach massiven Trailkilometern auf dem Krampus mit vielen Kurven und Trails würde ich sagen dass von Trägheit absolut nicht die Rede sein kann. Nur in langsamen engen Kurven benötigt das Rad mehr Körpereinsatz, vielleicht weil die Reifen aufgrund des niedrigen Luftdrucks doch eine große Kontaktfläche zum Untergrund bilden. Die Knard Reifen rollen über Wurzeln einfach so drüber, bei kleineren spürt man kaum, bei grösseren reicht ein kurzer Zug am Lenker sie zu überfahren. Interessanterweise lassen sich grosse Wurzeln auch durch eine kurze Entlastung am Vorderrad ganz einfach überrollen. Allerdings kann es passieren (wenn man es kurzfrisitg mit einem Fully verwechselt) dass einen das Bike bei grösseren Hindernisse aufgrund der fehlenden Dämpfung förmlich aushebelt und vom Trail katapultiert.

Ebenfalls lobend erwähnenswert, wie sich das Krampus bergauf fährt – selbst ohne Gewichtsverlagerung klebt das Vorderrad am Boden. Bei der nächsten Ausfahrt waren mehr Waldwege dabei. Außerdem hatte kurz davor geregnet und die Wege waren noch aufgeweicht – ideales Wetter für das Krampus? Auf den Wurzelwegen der bekannte Float, allerdings musste ich feststellen, dass die Reifen auf den nassen Wurzeln doch recht schnell den Seitenhalt verlieren.

Dafür fühlte sich das SURLY Krampus in den Kies-Anstiegen, in denen ich sonst meinen Weg suchen muss, wirklich wie daheim an. Hier heisst es hier einfach treten und hoch, egal ob im tiefen Schotter oder über ausgespülte Wasserrinnen … nochmals besser als mit 29er – 29 PLUS eben! Auf den weichen Waldwegen habe ich ebenfalls versucht das Krampus ungeschaltet zu fahren, aber hier hatte ich das Gefühl als wären die Reifen mit Klebstoff bestrichen. Das Bike auf Geschwindigkeit zu halten kostet da richtig Körner. Im Schlamm ist´s genau andersrum: Wo man sonst einsinkt und nur mit Kraft hindurch kommt, schwebt man hier einfach über den Matsch, aber nach ca. 1,5h war ich aber schon deutlich mehr ausgepowert als sonst.”

Testfazit:
Kein Zweifel, das SURLY Krampus mit all seinen Besonderheiten ist und bleibt eines der spannendsten Bikes die wir dieses Jahr gefahren haben – das Konzept 29+, das hoffentlich noch weitere Früchte neben dem Krampus tragen wird, ist nicht nur „anders“ sondern wirklich gut – nicht unbedingt unter dem Aspekt der reinen Performance, aber ganz sicher wenn man die Freude am Fahren messen könnte. Der Fahrspaß ist beim Krampus sowohl geschaltet wie auch als SS-Bike garantiert.

Wider aller Erwartungen hat sich das Krampus als recht agil und überhaupt nicht eigenwillig herausgestellt, dafür aber sehr sicher zu fahren. 29plus hält was es verspricht auf losen und nassem, genauso wie auf festem Untergrund. Kleine Hindernisse werden so sanft überrollt, wie man es vorher nicht kannte und nur im groben Gelände vermisst man die Federung – bei höheren Geschwindigkeiten bei mittleren und großen Hindernissen spürt man doch die systembedingt fehlende Dämpfung der Reifen doch recht deutlich.

Im 29+-Trimm ist das SURLY Krampus ein ganz heißes Bike für all die die sich nach mehr Einfachheit beim Biken sehnen, aus unserer Sicht und für unseren Einsatzbereich (sportliche und alpine Touren) ein tolles Dritt- und Adventure-Bike mit einer riesen Portion Spaß. Wegen der sehr guten Fahreigenschaften mit klassischen 29er Laufrädern erhält es aber unsere viel allgemeinere Empfehlung sowohl als 29+ als auch als klassischen 29er.

Einziges wirkliches Manko ist der merklich hohe Krafttaufwand beim Beschleunigen und der auf manchen Untergründen hohe Rollwiderstand.

 Weiter so SURLY – wir freuen uns auf weiteres im 29+ Format.

RIDE ON,
c_g & martinoo